Die Inflationsrate in der Bundesrepublik steigt merklich an!

Zuletzt aktualisiert: 4. Juni 2021│   Geschätzte Lesezeit: 4.7 Minuten

Bislang haben die Verbraucherpreise im Jahr 2021 deutlich angezogen. Die Inflationsrate in Deutschland stieg damit im Monat Mai auf rund 2,5 Prozent und könnte noch ein vorübergehendes Hoch von 4 Prozent erreichen. Besonders Benzin und Heizöl, aber auch viele Dinge für den täglichen Lebenshaltungsbedarf haben sich verteuert. Ein Faktor hierfür ist dem vermuteten baldigen Ende der Corona-Krise geschuldet.

Auswertungen des Statistischen Bundesamtes

Pünktlich zum Beginn des neuen Halbjahres hatte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden seine Einschätzung zu den steigenden Verbraucherkosten abgegeben. Hatten sich pandemiebedingt innerhalb der ersten großen Lockdown-Maßnahmen des letzten Jahres die Preise aufgrund der äußerst niedrigen Nachfrage negativ entwickelt und das Einkaufen sehr billig gestaltet, so zeigte die Kurve seit Jahresbeginn 2021 stetig nach oben. Nach dem Herunterfahren der Industrie, der Beschäftigungszunahme im Homeoffice-Bereich und des sinkenden Verkehrsaufkommens ist der Ölpreis im ersten Quartal dieses Jahres wieder angestiegen. Die Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) hatte im Rahmen der Corona-Epidemie für eine bewusste Verknappung der Erdölfördermengen gesorgt und die nun wieder steigende Nachfrage sowie der CO2-Klimaschutzbeitrag haben den Heizöl- und Benzinpreis um rund 7 bis 7 Cent pro Liter verteuert.

Auch die Kosten für Nahrungsmittel stiegen um etwa 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kam es im Bereich der Speiseöle und Speisefette zu einem Plus von 1,5 Prozent, beim Gemüse betrug der Preisanstieg 2,2 Prozent und Butter um 0,9 Prozent. Für Getreideerzeugnisse und Brote, aber auch für Eier und Molkereiprodukte mussten die Verbraucher/- innen 0,5 Prozent mehr ausgeben, während die Preise für Obst um 0,7 Prozent gesunken sind. Betrachtet man den internationalen Markt, so sind in der jüngsten Vergangenheit besonders die Rohstoffpreise exorbitant angestiegen. Neben dem Erdöl sind es besonders Kupfer oder Eisenerz, aber vor allem der Preis für Bauholz hat sich im Vergleich zum Vorjahr vielerorts verdoppelt. Einige Analysten bezeichnen diesen Hintergrund bereits als einen Superzyklus im Segment der Rohstoffe und das Baugewerbe stünde in diesem Zusammenhang vor einer regelrechten „Bauflation“.

Stagnierende Löhne

Parallel zur Corona-Krise sind die Löhne in der Bundesrepublik während der vergangenen Monate nur sehr gering angestiegen. Ein Grund, weshalb die Inflation sich nur begrenzt entwickelte. Das Statistische Bundesamt verwies im ersten Quartal des Jahres 2021 auf steigende Tarifverdienste im Volumen von 1,3 Prozent gegenüber dem Zeitraum des Vorjahres. Bei kommenden Tarifverhandlungen durch die führenden Gewerkschaften könnte dieser Aspekt eine gewichtige Rolle spielen und im Angesicht einer steigenden Inflation auch höhere Lohnforderungen nach sich ziehen. Die Hauptfaktoren für den Antrieb der Inflation sehen Ökonomen und Experten wie beispielsweise Holger Schmieding, Chefvolkswirt des renommierten europäischen Privatbankhauses Berenberg in Hamburg, in den Ölpreisen und anderweitigen Sondereffekten.Bislang haben die Verbraucherpreise im Jahr 2021 deutlich angezogen. Die Inflationsrate in Deutschland stieg damit im Monat Mai auf rund 2,5 Prozent und könnte noch ein vorübergehendes Hoch von 4 Prozent erreichen. Besonders Benzin und Heizöl, aber auch viele Dinge für den täglichen Lebenshaltungsbedarf haben sich verteuert. Ein Faktor hierfür ist dem vermuteten baldigen Ende der Corona-Krise geschuldet.

Nach vorliegenden Daten aus dem bevölkerungsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen habe es allein binnen der Monate April und Mai dieses Jahres bei den Heizölpreisen ein Plus von 24,2 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten gegeben. Auch bei den Pauschalreisen ist der Preisanstieg deutlich wahrnehmbar, welcher von den Minuswerten im Verlauf der Pandemie auf ein Plus von 7,4 Prozent im Mai kletterte. Nach Auffassung des Bankanalysten Schmieding zeigen sich hier vor allem saisonale Effekte und die große Möglichkeit, das Reisen wieder in einem gewissen Rahmen möglich sind. Derartige Wiedereröffnungseffekte dürften allerdings nicht von langer Dauer sein, so der Chefvolkswirt. Dennoch hätten die höheren Rohstoffpreise und die Kosten im Segment Transport durchaus Folgen für die Verbraucher/-innen, da die Preise an dieser weitergegeben werden.

Noch höhere Inflationsraten im weiteren Jahresverlauf

Der Auffassung, dass sich im weiteren Verlauf des Jahres die Inflationsraten noch erhöhen werden, schließt sich auch die Bundesbank an und geht in Ihrer Einschätzung davon aus, dass diese monatsweise bis zu 4 Prozent erreichen könnte. Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank AG, ist in seiner Prognose etwas zurückhaltender und tendiert zu Werten um die 3,5 Prozent im Monatshöchstdurchschnitt. Im Großen und Ganzen könne man in den Jahren 2021 und 2022 aber nicht von einem wirklichen Inflationsproblem sprechen, so Krämer. Bei einem Blick auf die Eurozone wird deutlich, dass sich die Inflation nahezu überall bemerkbar macht, der Anstieg zumeist aber geringer ist als in der Bundesrepublik. Negative Raten verzeichneten zuletzt Portugal und Griechenland. Spitzenreiter bei der steigenden Inflationsrate war Luxemburg. Den genauen Stand zu den Werten innerhalb der Eurozone wird die europäische Statistikbehörde Eurostaat in den nächsten Tagen veröffentlichen.

Die Europäische Zentralbank reagierte in den letzten Monaten sehr zurückhalten und wartet mit geldpolitischen Gegenmaßnahmen ab. Mit einem mittelfristigen Inflationsziel von unter 2 Prozent, welches auch nah daran oder in vorübergehenden Abschnitten auch darüber liegen kann, rechnet die Zentralbank im nächsten Jahr mit einer wiederkehrenden Stabilität. Auf dem kommenden Treffen des EZB-Rates könnten sich weitere Details heraus kristallisieren und die bisherige Strategie möglicherweise überdacht werden. Eine Anhebung der Zinsen dürfe es allerdings nicht geben, so die Analysteneinschätzungen, doch mit Sicherheit werde es um geldpolitische Schritte wie die temporären Abläufe der Anleihenkäufe gehen. Wie die EZB aktuell schon mitteilte, ist die Geldmenge innerhalb der Eurozone unterdessen weiter angestiegen und nahm im Monat April 2021 um 9,2 Prozent zu. Hierbei gehe es um die so bezeichnete M3 Geldmenge, zu welcher Bargeld, Girokontengelder und Geldmarktpapiere zählen.

 

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