Versicherungsbetrug in Zeiten der Corona-Krise hat Hochkonjunktur!

Zuletzt aktualisiert: 2. Juli 2021│   Geschätzte Lesezeit: 2,6 Minuten

Die Versicherungsunternehmen verzeichneten während der Corona-Pandemie einen deutlichen Rückgang der Schadenszahlen. Als eines der führenden Unternehmen meldete die Allianz Versicherungs-AG dafür allerdings eine Zunahme im Bereich der Betrugsversuche. Der Anstieg von oftmals dubiosen Schäden im privaten und gewerblichen Kundensegment sei signifikant, wobei viele betrügerische Handlungen sich mittlerweile im virtuellen Raum ereignen würden, so das Unternehmen.

Versicherungsbetrug in Deutschland weit verbreitet

Nach Auskünften des Verbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist Versicherungsbetrug in Deutschland längst ein weitverbreitetes Delikt. Schäden in Höhe von rund 5 Milliarden Euro liefen allein im Bereich der Schadens- und Unfallversicherung bei den Unternehmen auf, die durch falsche oder zu hoch taxierte Fallmeldungen entstehen würden. Auch während der Corona-Krise, in welcher die allgemeinen Schadenszahlen zwar gesunken sind, hat sich der Umstand in Sachen „Betrugsverfahren“ nicht geändert. Allianz Schaden-Vorstand Jochen Haug sprach in diesem Zusammenhang sogar von einer gegenteiligen Auswirkung, da besonders in Krisenzeiten die betrügerischen Schadensfallmeldungen erheblich zunehmen würden. Bei der Allianz Versicherungs-AG habe dieser Anteil seit dem Beginn der Pandemie etwa 10 Prozent Anstieg ausgemacht, so Haug.

Der Allianz-Schadenvorstand betonte, dass innerhalb der Pandemie besonders bei den gewerblichen Versicherungsnehmern starke Zuwachszahlen mit potenziellen Betrugsversuchen entstanden wären. 25 Prozent mehr allein im Segment der Leitungswasser-Schadensmeldungen seien ein Indiz dafür, dass viele Gewerbetreibende versuchen würden, Einnahmeeinbußen und Kosten des Corona-Lockdowns über die Versicherungsunternehmen wieder hereinzuholen. Bei den Privatversicherungen waren im gleichen Zeitraum die Schadensmeldungen bei den Einbruchsversuchen rückläufig, während die betrügerischen Versuche bei der Haftpflichtversicherung um rund 20 Prozent anstiegen. In der Kfz-Versicherung werden nach Angaben der Allianz mit über 50 Prozent die meisten Betrugsversuche aufgedeckt, doch auch in diesem Versicherungssegment stiegen die Taten um 10 Prozent.

Verlagerung der Delikte zur „digitalen“ Kriminalität

Anzumerken ist, dass viele Versicherungsbetrügereien sich mittlerweile im digitalen Raum vollziehen. Mit Softwareanwendungen wie beispielsweise Bildbearbeitungsprogrammen oder anhand missbräuchlich verwendeter Identitätsnachweise gelingt es Betrügern/- innen zunehmend konstruierte Schäden geltend zu machen. Ein Trend, den auch die Allianz Versicherungs-AG bestätigt. Hier geht man davon aus, dass bis zum Jahr 2030 jeder fünfte Versicherungsbetrug auf virtueller Basis stattfinden wird. So müssen auch die Versicherer digital „aufrüsten“, damit Betrugsdelikte besser erkennbar und nachweisbar sind. Bei der Allianz wurde zu diesem Zweck vor zwei Jahren extra eine spezielle „Intelligence-Einheit“ gegründet, welche mit modernster Technik und etlichen Zusatzprogrammen versucht, Schadensmeldungen zu sondieren und mögliche Betrügereien aufzudecken.

Maßnahmen, die erfolgversprechend sind, denn der Schadensversicherer zeigt sich mit den Ergebnissen bislang sehr zufrieden. Wie das Unternehmen bestätigte, können mittels der Technik auch fingierte Unfälle immer häufiger nachgewiesen werden, da sich beim Auslesen sowie Auswerten der elektronischen Fahrzeugdaten absichtlich herbeigeführte Unfälle wesentlich zielgerichteter erkennen lassen. In derartigen Fällen unterstützt das Allianz Zentrum für Technik (AZT) mit wissenschaftlich-technischen Methoden die Aufklärung der Betrugstaten. Geschäftsführer Christoph Lauterwasser teilte in diesem Zusammenhang mit, dass die Allianz so Auszahlungen in einem dreistelligen Millionenbereich vermeiden konnte. Weiterhin gilt bei dem großen Versicherer aus München eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber betrügerischen Schadensmeldungen.

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